Der Black Crows Navis Freebird ist ein Tourenski für Tage, an denen der Aufstieg zählt, die Abfahrt aber nicht zur Nebensache werden darf. Ich gehe hier auf die wichtigsten Konstruktionsdaten, den realen Einsatzbereich, sinnvolle Setups mit Bindung und Fellen sowie auf Apps ein, die dir bei Planung und Sicherheitscheck wirklich helfen.
Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick
- 102 mm Mittelbreite und 19 m Radius machen ihn spürbar abfahrtsorientierter als viele klassische Tourenski.
- Die Form ist directional: vorne auftriebssicher, hinten eher ruhig und kontrolliert statt verspielt.
- Je nach Länge liegt das Gewicht ungefähr bei 1.75 bis 1.83 kg pro Ski.
- Er passt am besten zu fortgeschrittenen bis sehr erfahrenen Tourengehern, die lange Anstiege und verlässliche Abfahrten kombinieren wollen.
- Als Set-up funktionieren robuste Pin- oder Hybridbindungen, passende Felle um 100 mm und ein Tourenschuh mit gutem Halt.
- Für Planung und Lawinencheck sind Outdooractive, Bergfex und White Risk die sinnvollsten digitalen Begleiter.
Warum dieser Ski im Gelände Sinn ergibt
Ich würde den Navis Freebird nicht als Leichtbau-Wunder und auch nicht als reinen Powder-Spezialisten einordnen. Er sitzt genau in der Zone dazwischen: breit genug, um in weichem Schnee und zerfahrenen Hängen ruhig zu bleiben, aber noch konsequent genug gebaut, um über lange Höhenmeter nicht unnötig zu nerven.
Das Entscheidende ist die Balance. Die progressive Schaufel hebt früher an und erleichtert das Aufschwimmen im weichen Schnee, der lange Camber unter dem Fuß hält auf hartem Untergrund Druck auf der Kante, und das progressive Heck erleichtert das Einleiten von Schwüngen, ohne den Ski nervös zu machen. Genau diese Mischung macht ihn für klassische Skitouren in den Alpen so interessant.
Für mich ist das ein Ski für Tage, an denen sich die Bedingungen unterwegs ändern: morgens hart, mittags windgepresst, später sulzig. Wer nur möglichst leicht aufsteigen will, findet leichtere Optionen. Wer nur mit Vollgas abfahren will, bekommt noch breitere und aggressivere Modelle. Der Navis Freebird liegt dazwischen und trifft damit eine sehr praxisnahe Mitte.
Als Nächstes lohnt sich der Blick auf die nackten Daten, weil sie ziemlich klar zeigen, wie dieser Charakter zustande kommt.

Die wichtigsten Daten und was sie in der Praxis bedeuten
| Merkmal | Wert | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Mittelbreite | 102 mm | Mehr Auftrieb und Ruhe im weichen Schnee, aber weniger Effizienz als ein schmaler Uphill-Ski. |
| Radius | 19 m | Die Schwünge fühlen sich eher lang und stabil an als kurz und hektisch. |
| Sidecut | 133-102-118 mm | Ein relativ klassischer, richtungsstabiler Zuschnitt ohne Spielereien. |
| Längen | 167, 173, 179, 185 cm | Die Auswahl deckt leichte bis sehr kraftvolle Tourengeher ab. |
| Gewicht | ca. 1.750 g pro Ski in Referenzlänge 179,4 cm | Tourentauglich, aber klar kein Ultra-Light-Modell. |
| Aufbau | Paulownia-Pappel-Kern, Carbon-Glas-Mix, Titanal-Platte unter der Bindung | Leicht im Kern, aber mit genug Steifigkeit und Bindungsstabilität für eine ruhige Abfahrt. |
| Rocker/Camber | Progressiver Frontrocker, langer klassischer Camber, progressives Tail | Das erleichtert Auftrieb und Pivot, ohne den Kantengriff aufzugeben. |
| Bindungssystem | Free Choice, Telemark nicht kompatibel | Pin- und Hybridbindungen passen, Telemark ist hier keine Option. |
Wichtig ist ein kleiner, aber praktischer Punkt: Die Gewichtsangaben können je nach Länge und Händler leicht schwanken. Ich würde das nicht als Widerspruch lesen, sondern als normal bei Tourenski, solange sich der Ski eindeutig in der Kategorie um etwa 1,7 bis 1,8 kg pro Ski bewegt.
Die Titanal-Platte unter dem Bindungsbereich ist mehr als nur ein Marketingdetail. Sie verbessert die Schraubenaufnahme und gibt dem Ski unter dem Fuß etwas mehr Ruhe. Wenn ich mit einem 100-mm-Tourenski wirklich Abfahrt fahren will, ist genau so etwas oft der Unterschied zwischen "geht schon" und "fühlt sich sauber an".
Mit diesen Zahlen im Kopf wird schnell klar, für wen der Ski passt und für wen eher nicht.
Für wen ich ihn empfehlen würde
Ich sehe den Navis Freebird vor allem bei Leuten, die Tourengehen nicht als reines Aufstiegsprojekt verstehen. Wer am Ende der Tour eine stabile, verlässliche Abfahrt haben will, bekommt hier mehr Ski unter dem Fuß als bei einem klassischen Leichtgewicht, ohne in die schwere Freeride-Ecke abzurutschen.
Passt gut, wenn du
- lange Tage im Gebirge planst und trotzdem eine gute Abfahrtsleistung erwartest.
- häufig wechselnden Schnee fährst, also Wind, Bruchharsch, Sulz und gelegentlich Pulver kombinierst.
- einen Ski suchst, der sich ruhig und präzise anfühlt statt nervös und verspielt.
- fortgeschritten bist und deine Technik auch bei Tempo und in steilerem Gelände sauber halten kannst.
- ein einziges Paar für viele alpine Tourenszenarien willst und nicht für jedes Einsatzprofil ein Spezialwerkzeug kaufst.
Lesen Sie auch: Was braucht man zum Wandern? Deine Checkliste für sichere Touren
Eher nicht, wenn du
- das absolut geringste Gewicht suchst und vor allem im Aufstieg zählen willst.
- vorwiegend kurze, flache Touren fährst, bei denen 102 mm unnötig breit wirken.
- einen extrem fehlerverzeihenden Ski für Einsteiger brauchst.
- sehr verspielte, drehfreudige Freestyle-Eigenschaften erwartest.
Genau hier liegt für mich der Realitätscheck: Der Ski ist vielseitig, aber nicht beliebig. Wer zu leichtes Material mit zu viel Abfahrtsanspruch mischt, wird damit oft zufriedener sein als mit einem 1,3-Kilo-Rennski. Wer dagegen jede Sekunde im Aufstieg maximieren will, sollte konsequent leichter denken.
Wenn das Einsatzprofil passt, entscheidet das Setup darüber, ob der Ski sein Potenzial ausspielt oder nur halb so gut funktioniert.
So würde ich ihn aufbauen
Beim Aufbau würde ich den Ski nicht "irgendwie" ausstatten. Der Navis Freebird lebt davon, dass Bindung, Schuh und Felle zu seinem Charakter passen. Zu weich oder zu leicht abgestimmt wirkt er unter der Abfahrt schnell weniger souverän, als er eigentlich ist.
| Bauteil | Meine Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Bindung | Eine stabile Pinbindung oder eine leichte Hybridbindung | Der Ski soll aufsteigen, aber vor allem unter Last ruhig bleiben. |
| Felle | Rund 100 bis 110 mm Breite, sauber auf die Schaufel zugeschnitten | So deckst du die 102 mm Mittelbreite sauber ab, ohne unnötigen Überstand. |
| Tourenschuh | Ein Schuh mit guter Schaftsteifigkeit und brauchbarem Abfahrtsstützgefühl | Die breite Schaufel und die moderate Masse wollen auch kontrolliert gefahren werden. |
| Länge | 167 oder 173 cm für technische Touren, 179 cm als Allround-Länge, 185 cm für größere oder sehr aggressive Fahrer | So passt der Ski zu Körpergröße, Tempo und Geländewahl. |
Ich würde die Länge vor allem nach dem Verhältnis aus Körpergewicht, Fahrstil und Gelände wählen. Wer häufig enge Spitzkehren, harte Querungen und technische Aufstiege fährt, profitiert oft von der kürzeren Variante. Wer mehr Richtung alpine Abfahrt und Tempo denkt, wird sich eher bei 179 oder 185 cm wohlfühlen.
Ein praktischer Hinweis, den viele erst zu spät sehen: Telemarkbindungen sind hier nicht vorgesehen. Das klingt nebensächlich, ist im Kaufprozess aber wichtig, weil man sonst schnell etwas bestellt, das sich am Ende gar nicht sauber montieren lässt.
Wenn die Ausrüstung steht, lohnt sich der Vergleich mit den anderen Modellen der Reihe, denn dort sieht man sehr klar, wo der Navis angesiedelt ist.
Wie er sich von Orb, Camox und Corvus unterscheidet
Innerhalb der Black-Crows-Tourenfamilie ist der Navis Freebird kein Einzelgänger, sondern ein ziemlich gut positioniertes Mittelstück. Der Vergleich macht den Charakter deutlich: leichter, schmaler oder breiter ist nicht automatisch besser, sondern nur dann, wenn es zum Einsatz passt.
| Modell | Mittelbreite | Gewicht pro Ski | Charakter | Ich würde ihn wählen, wenn ... |
|---|---|---|---|---|
| Orb Freebird | 90 mm | ca. 1.400 g in Referenzlänge | Deutlich aufstiegsorientierter, leichter, schmaler | du lange Anstiege und möglichst wenig Masse willst. |
| Camox Freebird | 95 mm | ca. 1.550 g in Referenzlänge | Ausgewogener, etwas leichter und versöhnlicher | du einen Allrounder mit guter Balance suchst. |
| Navis Freebird | 102 mm | ca. 1.750 g in Referenzlänge | Mehr Auftrieb, mehr Ruhe, klar abfahrtsstärker | du Tour und Abfahrt gleichermaßen ernst nimmst. |
| Corvus Freebird | 107 mm | ca. 1.875 g in Referenzlänge | Noch aggressiver, breiter und bergab betonter | du maximale Stabilität willst und das Mehrgewicht akzeptierst. |
Mein Kurzfazit dazu ist ziemlich klar: Der Orb ist das leichtere Aufstiegswerkzeug, der Camox der entspanntere Allrounder, der Navis der stabile Freetourer und der Corvus das robustere Werkzeug für noch mehr Druck in der Abfahrt. Wer mit dem Navis zu wenig Leichtigkeit spürt, landet oft beim Camox; wer mehr Wucht will, schaut eher zum Corvus.
Für Leser, die mit Apps ihre Touren strukturieren, ist dieser Vergleich übrigens auch digital hilfreich: Je klarer das Ski-Profil, desto einfacher lässt sich die Tourenwahl auf realistische Höhenmeter, Abfahrtsmeter und Lawinenlage abstimmen.
Welche Apps ich für Planung und Sicherheit nutzen würde
Ein Ski wie dieser entfaltet seinen Nutzen erst dann richtig, wenn die Tour sauber geplant ist. Ich würde deshalb nicht nur auf Material schauen, sondern auch auf die digitale Vorbereitung. Gerade bei alpinen Touren ist eine App kein Spielzeug, sondern ein Werkzeug für Orientierung, Wetterabgleich und Risikoabschätzung.
Für die Tourenplanung sind Outdooractive und Bergfex die naheliegendsten Kandidaten. Beide helfen bei der Routenwahl, mit Kartenmaterial, Tourenbeschreibungen und Navigation; Outdooractive punktet zusätzlich mit gutem Routenplaner und GPX-Import, Bergfex mit sehr vielen Tourenvorschlägen, GPS-Navigation und Wetterdaten.
Für den Sicherheitscheck würde ich White Risk ernst nehmen, vor allem wenn ich in Schweizer oder grenznahen Alpenregionen unterwegs bin. Dort bekommst du aktuelle Schnee- und Lawinendaten, Hintergrundwissen zur Gefahreneinschätzung und praktische Werkzeuge wie den Analyser oder Offlinekarten. Das ersetzt kein Fachurteil, aber es macht die Entscheidung im Gelände deutlich belastbarer.
Für mich gilt dabei eine einfache Regel: Die App plant die Tour, aber sie entscheidet nicht über die Sicherheit. Den finalen Blick auf Hangneigung, Wetterentwicklung, Schneedecke und Gruppentempo kann dir kein Bildschirm abnehmen. Genau deshalb kombiniere ich Karten-App, Wetter-App und Lawinenlagebericht immer zusammen.
Wenn du im Alpenraum unterwegs bist, ist das auch für die Materialwahl relevant: Ein Ski mit mehr Breite und Abfahrtsruhe wie der Navis Freebird macht nur dann wirklich Sinn, wenn du die Touren so planst, dass der zusätzliche Abfahrtskomfort auch ausgespielt werden kann.
Damit landet man am Ende bei einer simplen, aber wichtigen Kaufprüfung, die ich vor dem Bezahlen immer noch einmal durchgehen würde.
Die kurze Kaufcheckliste, die mir 2026 Zeit und Fehlkäufe spart
Vor dem Kauf würde ich drei Dinge nacheinander abprüfen: den tatsächlichen Einsatz, die passende Länge und das komplette Setup. Wenn diese drei Punkte stimmen, ist der Navis Freebird ein sehr stimmiger Begleiter für alpine Tourentage mit Anspruch.
- Passt das Ski-Profil wirklich zu meinem Schwerpunkt zwischen Aufstieg und Abfahrt?
- Ist die Länge eher technisch-kurz oder bewusst abfahrtsstärker gewählt?
- Ist die Bindung robust genug für mein Tempo und mein Gelände?
- Sind Felle, Schuh und Bindung sauber auf 102 mm abgestimmt?
- Ist der Preis ein Ski-only-Angebot oder bereits ein sinnvolles Set mit Montage?
Wenn ich nur ein einziges Paar für viele verschiedene Touren wählen müsste, wäre der Navis Freebird für mich eine der plausibelsten Antworten im Bereich Freetouring. Er ist nicht der leichteste und nicht der breiteste Ski seiner Klasse, aber er bringt eine sehr brauchbare Mischung aus Ruhe, Griff und Auftrieb mit, die im echten Gelände oft mehr zählt als ein einzelner Extremwert.
Genau darum geht es am Ende: nicht um den beeindruckendsten Datenblock, sondern um einen Ski, der auf langen Tagen, in wechselndem Schnee und bei ernsthafter Abfahrt verlässlich bleibt.